Herbst 2026: 8 Trends – und was davon bleibt
Jede Saison erscheinen dieselben Listen: zehn Teile, die man jetzt haben muss. Was in diesen Listen nie steht, ist die einzige Frage, die beim Kaufen zählt – hält das länger als bis Februar?
Deshalb steht hinter jedem Trend hier ein Urteil. Bleibt heißt: in zwei Jahren noch tragbar. Vielleicht heißt: kommt wieder, aber nicht durchgehend. Geht wieder heißt: sechs Wochen, dann hängt es im Schrank.
Die acht Trends stammen aus zwei unabhängigen Quellen für den deutschen Markt: einer Stylistin-Analyse zur Saison 2026/27 und dem Trend-Ratgeber von Peek & Cloppenburg. Beide sind unten verlinkt.
Das Urteil dahinter ist meine Einschätzung, keine Prognose und keine Marktforschung. Ich habe kein Teil davon geschenkt bekommen und keines im Voraus gesehen.
Die beiden Quellen widersprechen sich – und das ist die interessanteste Stelle
Eine Quelle meldet taillierte Silhouetten als Leittrend: schmalere Strickteile, taillierte Blazer, mehr Kontur. Die andere führt weite Cargohosen und Wide-Leg-Jogpants als Kernstücke der Saison.
Beides gleichzeitig ist kein Trend, das ist ein Übergang. Praktisch heißt das: Diese Saison legt sich nicht auf eine Silhouette fest. Wer jetzt eine komplette Garderobe auf „eng" oder auf „weit" umstellt, wettet auf einen Ausgang, den die Branche selbst noch nicht kennt. Die ruhigere Antwort ist, bei der Silhouette zu bleiben, die einem steht, und die Saison über Farbe und Material mitzugehen.
Die acht Trends
1. Schokobraun und Erdtöne
Bleibt- Was es ist
- Braun in allen Abstufungen – Schokolade, Cognac, Mocha. In Hosen, Strick, Mänteln und Taschen.
- Warum jetzt
- Braun übernimmt die Rolle, die Beige und Camel zuletzt hatten. Beide Quellen nennen es zuerst.
- Warum es bleibt
- Es ist eine Neutrale, keine Modefarbe. Braun verträgt sich mit Marine, Creme, Grau und Grün. Ein brauner Mantel sieht in fünf Jahren nicht falsch aus, ein neongrüner schon.
2. Beere, Bordeaux, Pflaume
Vielleicht- Was es ist
- Dunkle Rottöne von Kirsche über Brombeere bis Aubergine, teils in monochromen Looks.
- Warum jetzt
- Beide Quellen nennen die Beerenfamilie, einmal als Violett-Trend, einmal bei Lederjacken und Sportswear.
- Die Einschränkung
- Als Akzent – Schal, Tasche, Strickpullover – funktioniert das dauerhaft. Als Farbe eines teuren Mantels ist es eine Wette. Dunkles Rot kehrt alle paar Jahre wieder, aber nicht durchgehend.
3. Die neue Lederjacke
Bleibt- Was es ist
- Blouson-Schnitte und taillierte Modelle, Glattleder und Wildleder, in Braun- und Beerentönen.
- Warum jetzt
- Ablösung der geraden, langen Modelle der letzten Jahre.
- Der Vorbehalt
- Die Lederjacke bleibt, der Schnitt wechselt. Wer eine kauft, die bleiben soll, nimmt den ruhigsten verfügbaren Schnitt und Schwarz oder Braun – nicht die auffälligste Variante der Saison.
4. Hohe Stiefel und Overknees
Vielleicht- Was es ist
- Breite Schäfte, Fischerstiefel, Overknees – als eigenständiger Blickfang zu Kleidern und Midiröcken.
- Warum jetzt
- Gegenbewegung zur flachen, unauffälligen Schuhmode der letzten Saisons.
- Die Einschränkung
- Stiefeletten mit Blockabsatz in Braun oder Schwarz: bleiben, immer. Overknees und extrem weite Schäfte sind ein Saisonteil und datieren einen Look später sehr genau.
5. Karo – Glencheck, Vichy, Tartan
Vielleicht- Was es ist
- Karomuster auf Midiröcken, Culottes und Jacken, von Rot-Schwarz bis Erdton.
- Warum jetzt
- Passt zur allgemeinen Rückkehr klassischer, britisch geprägter Muster.
- Die Unterscheidung
- Glencheck in Grau oder Braun ist seit Jahrzehnten ein Klassiker und bleibt. Großflächiger Tartan in Signalfarben ist ein Saisonstück – schön, aber man erkennt daran das Jahr.
6. Samt
Vielleicht- Was es ist
- Blazer, Hosen, Röcke und Schuhe aus Samt, in Bordeaux, Smaragd, Indigo oder Violett.
- Warum jetzt
- Teil der Bewegung, Anlassmode in den Alltag zu holen.
- Realistisch
- Samt kommt jedes zweite oder dritte Jahr zur Weihnachtszeit zurück. Ein Samtblazer ist deshalb kein Fehlkauf – aber ein Teil für zehn Abende im Jahr, nicht für den Dienstag.
7. Weite Cargohosen und Jogpants
Geht wieder- Was es ist
- Weite Cargos in Khaki und Camel, Trackpants mit Galonstreifen, kombiniert mit Seidenblusen und Loafern.
- Warum jetzt
- Sportswear-Elemente in eleganter Umgebung – eine der beiden Quellen führt es als Kerntrend.
- Warum ich skeptisch bin
- Es steht im direkten Widerspruch zum taillierten Trend der anderen Quelle. Extreme Hosenschnitte sind das, was einen Look am schnellsten datiert – bei Cargos in beide Richtungen. Wer sie mag: eine reicht.
8. Lange Opernhandschuhe
Geht wieder- Was es ist
- Ellbogenlange Handschuhe in Statementfarben und ungewöhnlichen Materialien.
- Warum jetzt
- Laufsteg-Accessoire, das über Social Media in den Handel gewandert ist.
- Warum nicht
- Das ist der klarste Fall auf dieser Liste. Ein Accessoire, das man zu höchstens einem Outfit trägt, das im Alltag unpraktisch ist und das man auf jedem Foto in fünf Jahren sofort datieren wird.
Wenn du aus dieser Saison drei Dinge mitnimmst
Braun. Ein Teil in Schokobraun oder Cognac – Hose, Strickpullover oder Tasche. Es ist die einzige Neutrale auf dieser Liste und arbeitet ab dem ersten Tag mit allem zusammen, was du schon hast.
Stiefeletten mit Blockabsatz. Glattleder, flach bis fünf Zentimeter. Kein Saisonteil, sondern die Schuhform, die den ganzen Herbst und Winter trägt.
Ein Beerenton als Akzent. Schal, Mütze oder Tasche. Damit gehst du die Saison mit, ohne für sie zu bezahlen.
Alles Weitere ist optional. Und wenn du bei einem Teil unsicher bist, hilft dieselbe Frage wie immer: Passt es zu mindestens drei Sachen, die schon im Schrank hängen? Wenn nein, ist es kein Trend, sondern ein Einzelstück.
Wie die Grundlage aussieht, auf die sich das alles legt, steht hier: Capsule Wardrobe: die 12 Basics. Und die Kombinationen für diese Jahreszeit: Herbstoutfits Damen: 8 Kombinationen aus 12 Basics.
Quellen
- Valeriya Licht (elitestyle.de): Modetrends Herbst/Winter 2026/2027 – die 8 wichtigsten Trends für Damen
- Peek & Cloppenburg: Damen-Modetrends für Herbst/Winter 2026/27